LABBÉ Verlag
Lesekorb - Geschichten für Kinder

Der Zwerg von Volkringhausen und das Hirtenmädchen

Zwischen den beiden kleinen Orten Volkringhausen und Binolen findet man noch heute eine Höhle, über die es seit Urzeiten eine Sage gibt. Dort wohnte nämlich einst ein Zwerg, der sich mit einem Hirtenmädchen aus Volkringhausen angefreundet und es sehr lieb gewonnen hatte. Und das kam so:

Eines Tages, als das Mädchen wieder einmal mit seinen Schafen nahe der Höhe weidete, fand es einen kleinen Hammer auf der Weide. Natürlich dachte sich das Mädchen sofort, dass dieses Werkzeug einem Zwerg gehören könnte und legte es in den Eingang der Höhle. Als sich das Mädchen wieder umdrehte, stand plötzlich tatsächlich ein Zwerg vor ihr. Und er bedankte sich gleich überschwänglich, denn er war glücklich, sein Werkzeug wieder zu haben. Als Zeichen seiner Verbundenheit schenkte er dem Kind ein paar Schuhe mit silbernen Spangen.

Darüber war das Hirtenmädchen nun so erstaunt, dass es glatt vergaß, sich bei dem lieben kleinen Kerl zu bedanken. Und als es ihr einfiel, da war der Zwerg bereits verschwunden.

So blieb dem Mädchen nichts anders, als dem freundlichen Gesellen einen Strauß aus herrlichen Wiesenblumen zu winden, aus Immergrün, Engelsüß und Tausendschön. Diesen Strauß legte das Mädchen vor der Höhle ab, so wie es zuvor dort auch den kleinen Hammer abgelegt hatte.

Als die Hirtin am nächsten Morgen wieder mit ihrer Herde auf der Weide nahe der Höhle weilte und an ihrem Lieblingsplatz, einer kleinen Anhöhe, ein Lied sang, stand ganz plötzlich das kleine Männchen vor ihr. Natürlich war das Mädchen sehr erstaunt, doch der Zwerg sagte: „Hirtin, du bist ein gutes Kind. Bringe mir nun jeden Sommer einen solch schönen Strauß, dann will ich dich reich belohnen. Lege ihn aber nicht in den Eingang der Höhle, sondern unter den Rosenstrauch, der dort vorne, ganz nahe am Eingang wächst.“

So geschah es auch. Sommer für Sommer wand die kleine Hirtin aus Immergrün, Tausendschön und Engelsüß einen Strauß für ihren keinen Freund und legte ihn an der Stelle ab, die er ihr genannt hatte. Und jedes Mal entlohnte der Zwerg das Mädchen für seine Mühe.

Die Jahre gingen ins Land. Aus dem Kind war inzwischen eine hübsche junge Frau geworden, die ein wenig wild und ungestüm war. Eines Tages, die Jungfrau hatte wieder einmal einen Strauß für das kleine Männlein gefertigt, kam ihr eine Idee. „Zeige mir doch bitte einmal deine Wohnung“, bat sie den Zwerg um einen Gefallen. Doch der antwortete sogleich: „Kind, lass von deinem Begehren ab. Es wird dein Unglück sein!“

Die Hirtin aber bestand darauf, den Zwerg einmal begleiten zu wollen, zu neugierig war sie auf die vielen Schätze, die sich da unter der Erde verborgen hielten. Da nahm der Zwerg einen Eibenzweig, steckte ihn dem Mädchen ins Haar, damit es nicht vergaß, woher es kam, und hauchte ihm auf die Augen, damit das Licht in der Höhle ihm keinen Schaden zufügen konnte.

Nachdem die junge Frau die Höhle betreten hatte, schaute sie sich noch einmal um und folgte dem Zwerg auf seinem Weg hinein in die dunkle Welt. Was sie dort zu sehen bekam, überwältigte sie. Der König der Zwerge saß in Purpur und Gold auf seinem Thron, überall entdeckte sie Silber und Edelsteine.

Doch als sie und ihr Begleiter an einem kleinen See vorbeikamen, da entdeckte sie darin ihr eigens Spiegelbild und den Eibenzweig in ihrem Haar. Natürlich erinnerte sich die Jungfrau sofort an ihr Zuhause, an die Eltern und Geschwister und eine große Sehnsucht erfasste sie. Sie wünschte sich sofort zu den Menschen zurückkehren zu können, und dieser Wunsch wurde ihr auch erfüllt.

Als die junge Frau nun wieder vor der Höhle stand und sich die Landschaft besah, da sah alles so verändert aus, obwohl sie doch nur wenige Minuten im Reich der Zwerge gewesen war! Der Rosenstrauch, unter den sie immer ihre Blumensträuße gelegt hatte, war vollkommen verdorrt und die kleinen Bäume, unter denen die immer ihre Tiere geweidet hatte, waren zu haushohen Ungetümen herangewachsen. Auch ihre Schafe waren nicht mehr zu finden. So machte sich die Hirtin auf dem Weg zu ihrem Dorf.

Auch dort schien ihr alles verändert. An der Stelle, an der einst ihr Elternhaus gestanden hatte, fand sie nur noch eine baufällige Ruine, überwuchert mit vielen Ranken. Die Menschen, die ihr begegneten, waren ihr vollkommen fremd. So setzte sie sich auf eine Bank und weinte. Da kamen einige Leute angerannt, darunter auch eine alte Frau. Und als das Mädchen zu erzählen begann, es sein doch nur für einige Minuten zu den Zwerge in die Unterwelt gestiegen, da erhob jene Frau die Stimme und erzählte, dass seit dem Verschwinden der kleinen Hirtin viele viele Jahre ins Land gegangen seinen. Die Eltern seinen vor Kummer gestorben, Bruder und Schwester hätten ihr Bündel gepackt, um in der Welt ihr Glück zu suchen. Wo sie seien, wüsste aber niemand.

So starb die junge Frau nach ihrem unglückseligen Ausflug ins Reich der Zwerge kurze Zeit später an Herzeleid.





Die DEUTSCHEN SAGEN wurden von Martina Meier für den Lesekorb nacherzählt.

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