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LABBÉ Verlag
Mellvil - Ein Kinderforum zum Klarkommen

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Der Streit um die Eier

Es war einmal ein König, der wollte seinen Bruder in einem fernen Land besuchen. Die Königin aber war kurz vor der Geburt eines Kindes. Der König sprach: "Meine Königin, ich erwarte von dir, dass du einen gesunden Thronfolger zur Welt bringst. Sollte es aber nur Mädchen sein, dann werde ich dich verstoßen."

Der König reiste ab, und am siebten Tage brachte die Königin ein Mädchen zur Welt. Da bekam die Königin große Angst und überlegte, wie sie dem drohenden Unheil entgehen könnte.

Nahe beim Schloss lebte ein arme Frau mit einem neugeborenen Knaben. Die Königin ließ sie heimlich rufen und sprach: "Gib mir deinen Knaben und nimm mein kleines Mädchen. Dafür werde ich dich ein Leben lang gut versorgen. Du darfst es aber Niemandem sagen." Die arme Frau nahm an und versprach, das Mädchen immer liebevoll zu behandeln.

§2

Alle Kinder sind gleich! Mädchen dürfen nicht benachteiligt werden!
Alle Kinder haben die gleichen Rechte. Es ist egal, ob du ein Junge oder Mädchen bist. In vielen Ländern haben aber Frauen und Mädchen weniger Rechte als Männer und Jungen

In diesen Tagen geschah es, dass ein Kaufmann sich auf große Fahrt begeben wollte. Er ließ eine Bauersfrau zu sich kommen und sprach: "Ich brauche vierzig gekochte Hühnereier, und ich werde sie redlich bezahlen." Die Bauersfrau beeilte sich sehr, denn das Schiff des Kaufmanns lag schon zum Auslaufen bereit. In letzter Minute brachte sie die Eier an Bord, worauf der Kaufmann sagte: "Ich habe keine Zeit mehr, die Eier jetzt noch zu bezahlen. Wenn ich von meiner Reise zurückkehre, werde ich es aber sicher tun."

Das Schiff legte ab, und der Kaufmann blieb ganze fünf Jahre fort. Als er dann wieder zurückkam und durch den Hafen schlenderte, stand plötzlich die Bauersfrau vor ihm und verlangte ihre Bezahlung. Der Kaufmann sprach: "Wie viel soll es denn kosten?" Die Frau erwiderte: "Aus den Eiern hätte ich vierzig Küken bekommen. Und die hätten viele, viele, Eier gemacht, aus denen noch mehr Küken geschlüpft wären. Rechne also nach, Kaufmann, was mir in den fünf Jahren alles entgangen ist. Ich will diesen Verlust ersetzt haben."

Das wollte der Kaufmann nicht einsehen. Zornig sprach er: "Was redest du da, Weib? Dir steht nur das Geld für vierzig Eier zu." "Nein", rief die Bauersfrau, "ich werde vor den König treten, damit er mir mein Recht verschafft. Du, Kaufmann, sollst mir alles bezahlen."

Die Alte ging tatsächlich zum König und erzählte ihm, was sich zugetragen hatte. Der König überlegte nun, wie viele Eier die Küken wohl gelegt hätten, wenn sie aus den vierzig Anfangseiern geschlüpft wären. Und in fünf Jahren wären ja immer wieder neue Küken geschlüpft, jedes Mal mehr als zuvor. Diese Rechnung war selbst dem König viel zu schwer. Darum konnte er sich auch nicht entscheiden, wer von den beiden nun Recht hatte. Der König vertröstete die Bauersfrau und sagte, er müsse erst seine Ratgeber befragen.

Das kleine Mädchen, das die Königin einst der armen Frau übergeben hatte, kam manchmal in den königlichen Garten, wo auch der Königssohn mit ihr spielen durfte. Eines Tages sprach das Mädchen zu dem Knaben: "Hast du schon vom Streit um die vierzig Eier gehört? Dein Vater, der König, kann sich nicht entscheiden. Komm, wir wollen es nachspielen."

Der König aber stand an einem Fenster zum Garten und hörte den Kindern neugierig zu. Da sprach der Knabe: "Ich will der König sein und den Streit entscheiden. Das Mädchen erwiderte: "Nein, ich will der König sein. Wenn du erst mal groß bist, kannst du noch lange König sein, ich aber nicht." Das leuchtete dem Königsohn ein, und so durfte nun das Mädchen den König spielen.

Das Mädchen sprach: "Wie viele Eier hast du dem Kaufmann gegeben?" Der Knabe antwortete wie eine Bauersfrau: "Vierzig Stück! Und er hat sie nicht bezahlt." "Wie viel verlangst du für die Eier?", fragte das Mädchen. Darauf der Knabe: "Es waren vierzig Eier. Daraus hätte ich fünf Jahre lang viele, viele Küken großgezogen, die mir Hunderte von Eiern gelegt hätten." Da fragte das Mädchen weiter: "Wie hat der Kaufmann die Eier denn verlangt?" Der Knabe überlegte kurz und sprach: "Der Kaufmann wollte, dass ich ihm vierzig gekochte Eier zum Schiff bringe. Das habe ich auch getan." "Du hast ihm also gekochte Eier gebracht!", rief das Mädchen. "Ei, seit wann werden aus gekochten Eiern denn Küken, die wieder neue Eier legen?" Der Knabe antwortete: "Niemals!" Da sprach das Mädchen: "Also hast du auch kein Recht, mehr als den Preis für vierzig Eier zu verlangen."

Der König hörte dies und war erstaunt. Zwei Kinder hatten den schwierigen Fall ganz leicht im Spiel gelöst. Nun rief der König die Bauersfrau und den Kaufmann zu sich und sprach: "Sage mir, Bauersfrau was hast du dem Kaufmann gegeben?" "Vierzig Eier", rief sie vorwurfsvoll, "und er hat sie mir nicht bezahlt." Der König fragte weiter: "Hast du ihm die Eier gekocht oder ungekocht gegeben?" Die Bauersfrau erwiderte: "Natürlich gekocht, wie der Kaufmann es verlangte." "Nun", sprach der König, "seit wann können gekochte Eier denn Hühner hervorbringen? Ich sage dir was, Bauersfrau. Du hast kein Recht, mehr als den Preis für vierzig Eier zu verlangen."

Bald darauf rief der König seine Gemahlin zu sich. Der König hatte die Hofbeamten etwas tuscheln hören und sprach: "Sage mir die Wahrheit, Frau. Was für ein Kind hast du geboren? Du bist frei in deiner Rede und musst dich nicht fürchten. Ich will einzig und alleine die Wahrheit erfahren." Die Königin nahm die Hand des Königs und sprach: "Mein König, ihr habt damals gedroht, mich zu verstoßen, wenn ich ein Mädchen bekäme. Darum habe ich heimlich mit der Nachbarsfrau getauscht. Der Knabe hier an eurer Seite ist der Sohn der Nachbarin und das Mädchen der Nachbarin ist in Wirklichkeit unsere Tochter." "Ich danke dir für deine Aufrichtigkeit", sprach der König. "Du sollst auch weiterhin mit mir auf dem Throne sitzen. Lasst aber die Nachbarin zu mir kommen."

Als die Frau kam, sprach der König: "Mir ist zu Ohren gekommen, dass ihr heimlich euer Kind getauscht habt. Wie ist das geschehen?" Die Frau erschrak und erwiderte mit zitternder Stimme: "Die Königin rief mich zu sich, und bat um meinen Sohn. Dafür wollte sie mir das Mädchen geben, und lebenslangen Unterhalt noch dazu." Da nahm der König sein eigenes Mädchen an sich und gab der Frau ihren Sohn zurück. "Geht jetzt in Frieden", sprach der König, "und habt keine Angst. Ich werde für euch sorgen." Der Frau viel ein mächtiger Stein vom Herzen, und sie ging mit ihrem Knaben zufrieden nach Hause. Die Königsfamilie aber war jetzt endlich vereint, und sie erlebten noch viele glückliche Tage.

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