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Was heißt erwachsen?

Wann ist man erwachsen? Wie wird man erwachsen?

Wenn man elf, zwölf Jahre alt ist, dann wird einem klar, dass man kein kleines Kind mehr ist. Und dieses Gefühl verstärkt sich, je älter man wird. Trotzdem benimmt man sich oft noch wie die kleineren Geschwister oder jüngeren Nachbarskinder und spielt auch ganz gerne mit ihnen. Dabei weiß man ganz genau, dass man eigentlich unendlich viel "weiter" ist als jüngere Kinder.

Erwachsen ist man aber nicht. Noch nicht. Man ist aber auch kein "richtiges" Kind mehr. Wann ist man erwachsen?

Rechtlich gesehen, gilt jeder bis 14 Jahre in Deutschland als Kind, Jugendlicher ist man von 14 bis 18, mit 18 Jahren ist man volljährig. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg…

Nicht mehr Kind und noch nicht erwachsen – diesen Lebensabschnitt nennt man Pubertät. Rein körperlich gesehen, wird man in dieser Zeit vom Kind zum Erwachsenen. Mädchen können Kinder bekommen, Jungen können Kinder zeugen.

Doch das ist noch lange nicht alles. Was ist mir wichtig? Mit welchen Leuten möchte ich zusammen sein? Welcher Beruf passt zu mir? In der Pubertät ist vieles noch ungeklärt und noch lange nicht entschieden. Dabei geht es immer um dieselbe große Frage: Wie kann und wie will ich mein Leben selbst gestalten?

Das Schwierige an der Pubertät ist, das sich innerhalb weniger Jahre enorm viel verändert. Nicht nur der Körper, alles, was um einen herum passiert, sieht man plötzlich mit ganz anderen Augen. Dabei gerät auch die Gefühlswelt ganz schön durcheinander.

An manchen Tagen glaubt man, alles wäre in Butter. Dann strotzt man nur so vor Selbstbewusstsein. Doch oft dauert es gar nicht lange, da wirft einen schon eine Kleinigkeit aus der Bahn. Plötzlich ist alles nur noch Mist. Man ist total unglücklich und würde am liebsten davonlaufen.

Heute ist man gut drauf, am nächsten Tag hängt man herum – solche Stimmungsschwankungen sind anstrengend. Doch nicht nur für die Kinder und Jugendlichen. Eltern und Geschwister wissen oft nicht, was los ist. Sie sind stinksauer, wenn man sich mit einer Leichenbittermiene an den Tisch setzt und zu niemandem einen Ton sagt, ohne dass es vorher Streit gegeben hat.

Ältere Kinder und Jugendliche sind Erwachsenen gegenüber sehr kritisch eingestellt. Sie ziehen sich von ihren Eltern zurück. Mit elf, zwölf Jahren möchten Kinder mehr und mehr selbst entscheiden und nehmen die Ratschläge und Verbote ihrer Eltern immer weniger ernst. Heimlich naschen, aus dem Haus gehen, ohne vorher Bescheid zu sagen, viel später als vereinbart zurückkommen… wegen solcher "Kleinigkeiten" kommt es oft zum Streit.

Trotzdem ist es wichtig, dass man in dieser Zeit versucht, mit den Eltern auszukommen. Die allermeisten Eltern lieben ihre Kinder und wollen nur das Beste für sie. Und eigentlich brauchen Kinder, die erwachsen werden, ihre Eltern als festen, verlässlichen Rückhalt.

Wenn man erwachsen wird, sind in kurzer Zeit sehr viele Entscheidungen zu treffen. Gymnasium, um später einmal zu studieren? Oder lieber Realschule und dann eine Ausbildung? Ein Jahr ins Ausland? Und wohin?

In unserer Gesellschaft ist es nicht einfach, erwachsen zu werden. Erwachsen werden, heißt, seine Rolle in der Gesellschaft finden.

Theoretisch steht jedem Jugendlichen jede Ausbildung und jeder Beruf offen. Man kann auf dem Land oder in der Stadt leben. Man kann versuchen, früh von zu Hause auszuziehen oder noch mehrere Jahre bei den Eltern leben. Wenn man sich fürs Ausziehen entschieden hat, dann stellt sich die Frage, ob man allein, mit dem Freund oder der Freundin oder in einer WG leben möchte.

Es ist nicht leicht, immer die richtigen Antworten zu finden. Oft sind die Entscheidungen so weit reichend, dass man sie selbst kaum allein treffen kann. Es braucht auch sehr viel Zeit, sich über die Dinge, die einem wichtig sind, klar zu werden. Kein Wunder also, dass ältere Kinder und Jugendliche viel mit sich selbst beschäftigt sind.

Wann also ist man erwachsen? Mit ungefähr 18, 19 Jahren haben die meisten das Gefühl, sie hätten das "Schlimmste" hinter sich. Sie haben ein neues, eher partnerschaftliches Verhältnis zu ihren Eltern gefunden. Sie haben eine oder vielleicht schon mehrere Liebesbeziehungen hinter sich. Die beruflichen Weichen sind gestellt… In diesem Alter wird es allmählich selbstverständlich, dass man sich zu den Erwachsenen zählt und auch von den Erwachsenen so wahrgenommen wird.

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