LABBÉ Verlag
Zzzebra - Das Web-Magazin für Kinder

Vom dem Fischer un syner Frau

[von Kirsten Großmann]

Da diesem Märchen viele Ortswechsel zugrunde liegen und sich der häusliche Hintergrund ständig verändert, ist es zweckmäßig, die (Schatten-) Bühne so aufzuteilen, dass sowohl die See als auch die jeweilige Behausung des Fischerpaares zu sehen ist. Die See bleibt immer gleich im Erscheinungsbild (d.h. der Fischer kommentiert die Veränderungen des Wassers) und die Behausungen können seitlich oder von hinten gegeneinander ausgetauscht werden. Der Fischer bewegt sich auf der (Schatten-) Bühne immer von Endpunkt (Behausung) zu Endpunkt (See).

1. Szene
Personen: Fischer, Fisch
Hintergrund: See, Weg, Hütte

Der Fischer steht an der See und angelt.

Fischer:
Wie schön klar das Wasser heute ist. Hoffentlich fange ich endlich einmal einen großen Fisch, von dem wir richtig satt werden.

Die Angel bewegt sich.

Fischer:
Oh, oh, ich glaube, ich habe was an der Angel. Jetzt schön vorsichtig ...

Der Butt erscheint, als der Fischer an seiner Angel zieht.

Fischer:
Es ist ein riesiger Butt! So einen großen Fisch habe ich noch nie gefangen!

Butt:
Hör mal, Fischer, lass mich am Leben! Was würde es dir helfen, wenn du mich tötest? Und schmecken würde ich bestimmt auch nicht! Lass mich einfach wieder frei.

Fischer:
Schon gut. Du brauchst mich gar nicht mit so vielen Worten zu überzeugen. Einen Butt der sprechen kann, hätte ich sowieso wieder frei gelassen.

Er löst die Angelschnur vom Fisch und geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.


2. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor

Frau steht vor der Hütte.

Frau:
Meine Güte, Mann! Hast du heute etwa gar nichts gefangen?

Fischer:
Nein, das heißt, ich hatte einen Butt gefangen. Er war riesig! Er konnte sprechen und da habe ich ihn wieder schwimmen lassen.

Frau:
Du hast ... was? Ihn einfach wieder ins Wasser geworfen? Und du hast dir nichts gewünscht?

Fischer:
Was sollte ich mir schon wünschen?

Frau:
Ja, schau dich doch mal um! Wir wohnen in einer Hütte! Du hättest dir ein kleines Haus für uns wünschen können! Das holst du jetzt sofort nach! Los. Geh zu dem Butt und wünsch dir ein Haus!

Fischer:
Muss das sein?

Frau:
Du hattest ihn gefangen und hast ihn wieder frei gelassen. Er schuldet uns etwas!

Fischer:
Na, wenn du meinst...

Er macht sich auf den Weg und kommt an der See an.

Fischer:
Ich soll mir wünschen. Was für ein Einfall. Aber wie sieht das Wasser aus? Das ist ja ganz grün und gelb? Ach, egal. Nun schnell die Wünscherei hinter mich gebracht.

Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?

Fischer:
Ach, sie will nicht mehr in der Hütte wohnen. Und weil ich dich wieder frei gelassen habe, meint sie, dass ich mir etwas wünschen darf und du musst den Wunsch erfüllen. Sie möchte gern in einem kleinen Haus wohnen und nicht mehr in der Hütte.

Butt:
Geh nur heim, sie wohnt schon in einem Haus.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.


3. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor, aber aus der Hütte ist ein Haus geworden.

Die Frau steht vor dem Haus.

Frau:
Schau nur, wir haben ein Haus. Nun ist es doch noch viel besser. Wir haben mehrere Zimmer, Geschirr, Besteck und Leinenzeug, einen großen Garten, Kühe, Schafe und Hühner, einen eigenen Brunnen ...

Fischer:
Nun ist es aber wie das Paradies auf Erden, nicht wahr, Ilsebill? Wir wollen uns daran freuen und zufrieden sein.

Frau:
Ach, weißt du, Mann, wenn der Butt ein solches Haus bauen kann, dann kann er doch sicher auch ein Schloss bauen. Ich möchte sofort ein Schloss haben. Ich kann dieses kleine Haus aus Stein nicht mehr aushalten!

Fischer:
Aber gerade hast du noch gesagt ...

Frau (unterbricht ihn):
Ach, was weißt du schon. Los, geh' und sag' deinem Butt, dass ich mir ein Schloss wünsche. Geh' sofort.

Fischer:
Aber, Ilsebill ...

Frau:
Ich will nichts mehr hören! Fort mit dir!

Der Fischer seufzt und geht. An der See:

Fischer:
Das Haus war doch wirklich traumhaft! Was hat sie nur? Und ich stehe vor dem Butt ziemlich dumm da! Er muss denken, dass ich sehr undankbar bin. Und die See sieht so unheimlich und schwarz aus. Aber, nun Mut gefasst:

Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?

Fischer:
Ach, sie will nicht mehr in dem Haus wohnen. Sie sagt, wenn du ein Haus bauen kannst, dann kannst du auch ein Schloss bauen. Sie will in einem Schloss wohnen.

Butt:
Geh nur heim, sie hat schon eins.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.


5. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor, aber aus dem Haus ist ein Schloss geworden.

Die Frau steht vor dem Schloss.

Frau:
Schau nur, wir haben ein Schloss. Nun wird das Leben richtig schön. Wir haben einen Fußboden aus Marmor und an den Wänden die feinsten Tapeten. In den Zimmern stehen goldene Stühle und Tische und von den Decken hängen die Kristallleuchter herab. Hinter dem Schloss haben wir einen großen Pferde- und Kuhstall. Dort schlafen auch unsere Diener. Ach, was wird das für ein Leben!

Fischer:
Nun sei es zufrieden, Ilsebill. Ein Schloss ist unendlich viel mehr, als wir in unserem Leben erwarten durften.

Frau:
Das finde ich auch. Lass uns zum Nachtmahl hineingehen und dann in unseren seidenen Betten schlafen.

Beide in das Schloss. Am nächsten Morgen tritt die Frau vor das Schloss. Der Fischer folgt
ihr.


Frau:
Ach, weißt du, Mann, eigentlich wäre ich jetzt gern die Königin von diesem Land.

Fischer:
Bist du verrückt geworden? Ich will nicht König sein. Das kann ich doch gar nicht.

Frau:
Du bleibst eben immer der kleine Fischer. Ich aber will Königin sein. Geh' und sag das dem Butt.

Fischer:
Ilsebill ...

Frau:
Keine Widerrede!

Der Fischer seufzt und geht. An der See:

Fischer:
Königin. Was für ein Hirngespinst! Der Butt wird mich auslachen. Oder schlimmer noch, er wird mich vielleicht fressen. Oh, buahh, wie riecht das denn hier? Ist es das Wasser? Das riecht ja ganz faulig. Jetzt also schnell:

Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?

Fischer:
Ich weiß, es klingt lächerlich ... aber ... sie will Königin werden.

Butt:
Geh nur heim, sie ist bereits Königin.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.


6. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor

Die Frau steht vor dem Schloss.

Frau:
Ach, die schmucken Soldaten! Und die Pauken und Trompeten. Königin zu sein, ist wahrlich wunderbar. Und unser Hofstaat erst. Du musst den Ballsaal ansehen und ...

Fischer (unterbricht sie):
Nun, wo du Königin bist, ist alles gut, oder? Nun brauchen wir uns nichts mehr zu wünschen.

Frau:
Ach, weißt du, Königin zu sein ist zwar fein, aber noch lieber wäre ich Kaiserin. Geh' und sag das deinem Butt.

Fischer:
Nein, das kann ich dem Butt nicht sagen. Einen Kaiser gibt es nur einmal im Reich. Nicht einmal der Butt kann einen Kaiser machen. Nicht einmal er.

Frau (böse):
Ich bin die Königin und du bist mein Mann. Wirst du wohl gleich hingehen und dem Butt sagen, dass ich Kaiserin sein will?

Fischer:
Das muss ich dann wohl.

Der Fischer seufzt und geht. An der See:

Fischer:
Kaiserin. Das geht nicht gut! Das ist wirklich zu unverschämt. Der Butt wird bestimmt ärgerlich sein. Und seht nur das Wasser an. Es ist ganz dick und schwarz, es blubbert und gärt. Mir stehen die Haare zu Berge, solche Angst habe ich. Also Butt:

Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?

Fischer:
Sei mir nicht böse ... aber ... meine Frau will Kaiserin werden.

Butt:
Geh nur heim, sie ist bereits Kaiserin.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.


7. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor

Die Frau steht vor dem Schloss.

Frau:
Jetzt bin ich Kaiserin. Endlich! Davon habe ich mein Leben lang geträumt. Grafen und Barone gehen bei mir ein und aus. Meine Türen sind aus purem Gold. An jedem Finger habe ich einen goldenen Ring. Kaiserin zu sein wahrlich großartig ...

Fischer (unterbricht sie):
Nun, wo du Kaiserin bist, ist aber wirklich alles gut, oder? Nun brauchen wir uns nichts mehr zu wünschen.

Frau:
Ach, weißt du, Kaiserin zu sein ist zwar fein, aber noch lieber wäre ich Papst. Geh' und sag das deinem Butt.

Fischer:
Nein, das kann ich dem Butt nicht sagen. Er kann dich nicht zum Papst machen. Das ist nun wirklich zu unverschämt.

Frau (böse):
Steh hier nicht rum und schnack dummes Zeug. Geh' zu deinem Butt. Ich befehle es dir!

Fischer:
Dann muss es wohl so sein. Aber ich weiß, dass das nicht gut geht!

Er geht zur See.

Fischer:
Ein scharfer Wind kommt auf. Er kommt von der See her. Und die schwarzen Wolken, die über den Himmel jagen, machen mir Angst. Sicher wird der Butt sehr böse sein, wenn ich sage, dass sie Papst werden will.

Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?

Fischer:
Lieber Butt, ich kann es selber kaum glauben, aber nun will sie auch noch Pabst werden.

Butt:
Geh nur heim, sie ist bereits Papst.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.


8. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor, aber aus dem Schloss ist eine große Kirche geworden.

Die Frau steht vor der Kirche.

Frau:
Papst zu sein ist noch viel besser als Königin oder Kaiserin. Alle Könige und Kaiser liegen mir zu Füßen. Und schau, ich bin in lauter Gold gekleidet.

Fischer (unterbricht sie):
Nun, wo du Papst bist, sind wir wohl endlich wunschlos glücklich, oder?

Frau:
Ach, wenn ich's recht bedenke, kann ich statt Papst doch gleich der liebe Gott werden.

Fischer:
Bist du denn völlig verrückt, Weib? Gott willst du werden? Das kann der Butt nicht! Er kann dich vielleicht zum Papst machen, aber nicht zum lieben Gott.

Frau (schreit):
Ich kann es aber nicht aushalten, bloß Papst zu sein! Ich will der liebe Gott werden. Geh' und sag das deinem Butt!

Fischer:
Beruhige dich. Ich geh' ja schon.

Er seufzt und geht zur See.

Fischer:
Was für ein Wetter. Ich kann mich in diesem Sturm kaum aufrecht halten. Und seht nur, was die See für Wellen schlägt. Aber es muss sein:

Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?

Fischer:
Ach, Butt. Sie ist verrückt geworden. Sie will der liebe Gott werden.

Butt:
Geh nur heim, sie sitzt schon wieder in ihrer Hütte.

Der Butt taucht unter. Die Kirche versinkt und die Hütte taucht wieder auf. Der Fischer geht langsam zurück zu seiner Frau, die vor der Hütte steht und weint.

Dieses Theaterstück wurde für das Märchen-Schattentheater von Labbé, Best. Nr. 8372 geschrieben. Es kann auch als Bühnenstück gespielt werden.

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