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LABBÉ Verlag
Mellvil - Ein Kinderforum zum Klarkommen

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Tochter der Sonne

Es war einmal ein Königspaar, das sich schon sehr lange Kinder wünschte. In seiner Verzweiflung ließ der König einen Wahrsager kommen und fragte ihn, ob sich der Kinderwunsch wohl noch erfüllen könnte. Da warf der Wahrsager dreizehn Holzplättchen mit magischen Zeichen auf den Tisch und sprach: "Die Zeichen sind günstig. Euer Kinderwunsch wird sich erfüllen, aber es wird eine Tochter sein. Vor dieser Tochter solltet ihr euch in Acht nehmen, denn sie wird von der Sonne ein Kind empfangen, das große Macht über alle Dinge hat."

Es verging ein ganzes Jahr, da brachte die Königin eine Tochter zur Welt. Der König freute sich, doch dann fiel ihm der Wahrsager ein. Der König war vorsichtig, darum ließ er einen Turm ohne Fenster im tiefsten Wald erbauen. Dort sollte seine Tochter vor der Sonne sicher sein, und nur in der Obhut einer Dienerin leben. Und so geschah es auch.

Das Kind wuchs im Turm heran und wurde zu einem schönen, aber sehr traurigen Mädchen. Denn sie hatte keine Freunde und durfte im Freien nicht spielen. Tag aus, Tag ein saß sie im Turm und träumte davon, auf einer Waldlichtung herrliche Blumen zu pflücken und dabei die wärmende Sonne zu spüren.

§31

Alle Kinder haben das Recht auf Spiel und Freizeit!
Kinder sollen ermuntert werden, an Musik, Tanz, Malerei, Sport und Bewegung viele Freude zu haben. Spielen, ins Kino gehen, Freunde treffen, das alles bereichert das Leben. Leider ist das für viele Kinder auf dieser Erde nicht selbstverständlich. Auch der Prinzessin, hier im Märchen, wird dieses Recht vorenthalten.

Zur Feier ihres vierzehnten Geburtstages gab es dann Rehbraten als Mittagsmahl. Das Mädchen steckte sich heimlich einen Knochen ein und gebrauchte ihn, um nachts ein kleines Loch in die Mauer zu graben. Das dauerte viele, viele Tage, doch eines Morgens fiel der erste Sonnenstrahl in ihre Stube. So erfüllte sich, was der Wahrsager dem König vorhergesagt hatte. Denn die Königstochter brachte ein wunderschönes Töchterchen zur Welt, das zweifellos ein Kind der Sonne war.

Als der König das Kind zum ersten Mal sah, fürchtete er sich sehr und sprach: "Dieses Kind ist verflucht. Legt es in ein Körbchen und setzt es im tiefsten Walde aus. Die wilden Tiere werden es schon finden." Da nahm ein Jäger das Körbchen an sich und tat, was der König befohlen hatte.

Nun traf es sich, dass der Jäger einem fremden Prinzen im Wald begegnete, der auf einer langen Reise war. Der Prinz fragte den Jäger, was er in dem Körbchen habe. Da zeigte der Jäger es ihm, und der Prinz versprach, gut für das Kind zu sorgen. Dem Jäger war es recht, und er gelobte über diese Sache ewig zu schweigen. Der Prinz nahm das Kind und rief: "Seht nur, wie hell die Augen leuchten! Ich will es von nun an Sternchen nennen."

Es vergingen die Jahre und Sternchen wuchs zu einem wunderschönen Mädchen heran. Da verliebte sich der Prinz in sie und beschloss, sie zu seiner Gemahlin zu machen. Der Prinz sprach: "Mein Sternchen, ich will dich wohl zur Frau nehmen. Aber sage mir zuerst, wessen Kind du bist?" Sie antwortete: "Meine Eltern habe ich nie gekannt. Und wenn du selbst es mir nicht sagen kannst, dann schere dich lieber zum Teufel."

Der Prinz ging traurig davon und war vor Kummer ganz krank. Das konnte die Mutter des Prinzen nicht länger ertragen, und schickte das Sternchen fort aus dem Schloss. Sie durfte aber, gar nicht weit weg, in einem schönen Häuschen wohnen. Immer wieder ging der Prinz zu ihr und bat sie um ihre Hand. Doch Sternchen wollte jedes Mal nur wissen, wessen Kind sie sei.

Da verlor die Mutter des Prinzen die Geduld und sprach: "Lass es jetzt gut sein, mein Sohn. Es gibt so viele hübsche Mädchen, die gerne deine Gemahlin sein möchten." Schon am nächsten Tag schickte die Mutter eine Nachricht an alle Fürstenhäuser und Königshöfe, und ließ Bilder von den schönsten Töchtern kommen. Nach langer Suche fand sich endlich auch eine, die dem Prinzen gut gefiel. Er sprach: "Lasst diese hier kommen. Sie soll meine Gemahlin werden."

Nun wurde eine glänzende Hochzeit ausgerichtet. Doch als das Brautpaar aus der Kirche kam, war der Prinz ganz traurig. Die Braut fragte: "Was fehlt euch, mein Gemahl?" "Ach", antwortete er, "ich liebte einst ein Mädchen, das ich Sternchen nannte. Sie wollte mich nicht heiraten, weil ich nicht sagen konnte, wessen Kind sie sei. Darüber gerieten wir in ewigen Streit." "Dann hat sie euch auch nicht lieb", sprach die Braut erleichtert, "aber ein Stückchen Hochzeitskuchen wird sie bestimmt versöhnen."

Ein Diener brachte also den Kuchen zum Haus von Sternchen. "Bleibt ein wenig", sprach sie, "und kommt mit mir in die Küche. Ich will dem Brautpaar etwas schicken. Sie gingen in die Küche und Sternchen rief: "Feuer, entzünde dich!" Da brannte plötzlich das Feuer im Herd. Sternchen rief: "Pfanne, komm zu mir!" Da kam eine große Pfanne gehüpft und sprang mit einem großen Satz auf den Herd. Nun rief Sternchen auch das Öl herbei, und es floss wie von Geisterhand in die große Pfanne. Das Öl wurde schnell heiß und Sternchen legte ihre beiden Hände in die Pfanne. Der Diener erschreckte sich fast zu Tode, doch mit einem Male hielt Sternchen zwei prächtige Fische in ihren Händen. "Nimm diese Fische," sprach Sternchen zu dem Diener, "und erzähle dem Brautpaar, was du gesehen hast."

Der Diener eilte zum Schloss und verlangte sofort das Brautpaar zu sehen. Dann erzählte er hastig, was er gesehen hatte. Die Braut spürte Unheil auf sich zukommen und rief: "Was Sternchen kann, das kann ich schon lange!" "Das will ich sehen", sprach der Prinz, "gehen wir also in die Küche." Kaum waren sie dort angelangt, sprach die Braut zum Koch: "Zünde mir ein Feuer im Ofen an und setzte ein Pfanne mit Öl darauf." Der Koch tat es, und die Braut musste nicht einen einzigen Finger dafür rühren. Als das Fett dann heiß war, ging die Braut zum Herd und legte wild entschlossen ihre Hände in die Pfanne. Es dampfte und zischte, und die Braut fiel noch im gleichen Moment vor Schmerz tot um.

Der Prinz war tief erschüttert. Mit großer Wut ging er sogleich zu Sternchen und sprach: "Du hast hinterlistig meine Braut getötet." "Wieso denn das?", antwortete Sternchen. "Ich konnte doch gar nicht ahnen, dass deine Braut etwas tut, was sie beim besten Willen einfach nicht kann." Der Prinz sah es ein und fragte Sternchen aufs Neue, ob sie nicht endlich seine Braut werden wollte. Sie wehrte ab und sprach: "Wenn du mir nicht sagen kannst, wessen Kind ich bin, dann schere dich zum Teufel."

Der Königssohn kehrte betrübt zum Schloss zurück und fragte die Mutter um Rat. Sie redete ihm gut zu und sprach: "Sternchen weiß dich nicht zu schätzen. Lass sie laufen und nimm dir eine gescheitere Frau." Darauf ließ sich der Prinz wieder eine schöne Königstochter kommen, um Hochzeit zu halten. Kaum aber war das Brautpaar aus der Kirche getreten, da fragte die Braut ihren Gemahl: "Warum bist du so traurig an diesem festlichen Tag?" Er antwortete: "Ich liebte einst ein Mädchen, dass ich Sternchen nannte." "Lass es gut sein", sprach die Braut geschwind, "wir werden ihr zum Trost ein Stückchen vom Hochzeitskuchen schicken." Und wieder war es derselbe Diener, der den Kuchen überbringen sollte.

Als der Diener ankam, saß Sternchen oben im Haus am Fenster und wärmte sich in den Sonnenstrahlen. Sie sah den Diener und rief: "Wartet dort unten. Der Tag geht zur Neige, und ich möchte noch die letzten Sonnenstrahlen einfangen." Als die Sonne aber tiefer sank, stellte Sternchen ihren Stuhl auf das schmale Fensterbrett und setzte sich darauf. Dem Diener war ganz anders zu Mute, denn der Stuhl schwebte mit den Vorderbeinen frei in der Luft. Die Sonne sank immer weiter und verschwand schließlich hinter dem Dach des Hauses. Da kletterte Sternchen mit dem Stuhl auf das Dach hinaus und stellte ihn mitten auf den Schornstein. Das konnte der Diener jetzt nicht mehr mit ansehen, und er lief jammernd zum Schloss zurück. Der Diener stürzte zum Brautpaar und erzählte in großer Eile, was sich zugetragen hatte. Die Braut lachte nur und rief: "Das vermag ich auch zu tun, und ich werde es euch zeigen."

Sie öffnete oben im Schloss ein Fenster und stellte einen Stuhl auf das Fensterbrett. Als sie sich aber auf den Stuhl setzen wollte, fiel sie herunter und brach sich den Hals. Der Prinz war entsetzt und lief sogleich zum Haus von Sternchen. Sie stritten miteinander, wer dieses Unglück verursacht habe, doch Sternchen sah sich wieder frei von Schuld.

Der Prinz hatte nun endgültig genug und wollte keine andere Frau mehr heiraten. Er zog hinaus in die Welt, um endlich zu erfahren, wessen Kind das Sternchen war. Eines Tages begegnete ihm ein altes Mütterlein und fragte: "Warum siehst du denn so traurig aus?" Da erzählte der Prinz es ihr. "Nun", sprach die Alte, "ich weiß ein gutes Mittel für dich. Geh zu Sternchen und sage ihr, dass du krank bist. Sie soll dir einen kühlen Trunk bereiten. Wenn sie dann ihre Gerätschaften herbeiruft, nimm den Mörser und stecke heimlich einen Fuß hinein. So kann er seiner Herrin nicht gehorchen, und mit ein wenig Glück wird sich Sternchen dann im Zorne selber verraten." Dieser Rat gefiel dem Prinzen, und er machte sich gleich ans Werk.

Schon bald klopfte der Prinz am Häuschen von Sternchen und rief: "Ach, liebes Sternchen, ich bin so krank. Bereite mir doch einen kühlen Trank zur Linderung." "Das will ich gerne für dich tun", sprach sie und fing an zu rufen: "Zuckerhut, komm herbei! Zitronen und Kräuter, ihr seid auch dabei!" Und alles schwebte leicht wie eine Feder heran. Der Prinz aber nahm geschwind den Mörser beiseite, stellte ihn heimlich unter den Tisch und steckte einen Fuß hinein. Sternchen wollte nun ein Stück von dem Zuckerhut zerstampfen. Sie rief den Mörser, aber der Prinz ließ es nicht zu. Da verlor Sternchen die Geduld und rief voller Zorn: "Du elender Mörser! Ich bin die Tochter der Sonne, also musst du mir gehorchen."

Der Prinz sprang jubelnd auf und rief. "Hurra, ich kenne jetzt dein Geheimnis! Du bist die Tochter der Sonne, jetzt kann ich dich endlich heiraten." Sternchen hörte es und ließ sich auch nicht lange bitten. Die ewige Einsamkeit hatte ihr ohnehin nicht gefallen und der Prinz hatte seine Liebe wahrlich oft genug bewiesen. So wurde denn auch bald eine prächtige Hochzeit gefeiert, worauf der Prinz mit seinem Sternchen noch viele glückliche Tage hatte.

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