Tierfabeln für Kinder – Geschichten mit Tieren, die zum Nachdenken anregen
Tierfabeln gehören zu den ältesten Erzählformen der Welt. In ihnen übernehmen Tiere menschliche Rollen: Sie sind klug oder eitel, mutig oder bequem, gerecht oder listig. Gerade für Kinder sind diese Geschichten besonders zugänglich – denn Tiere schaffen Abstand und machen schwierige Themen leichter verständlich. Ob zu Hause, in der Kita oder im Unterricht: Tierfabeln eignen sich gut zum Vorlesen, Nacherzählen und gemeinsamen Nachdenken. Die Texte sind meist kurz, klar aufgebaut und laden dazu ein, über Verhalten, Entscheidungen und ihre Folgen ins Gespräch zu kommen.

Was Tierfabeln auszeichnet
Im Unterschied zu Märchen oder Legenden stehen in Tierfabeln nicht das Fantastische oder das Abenteuer im Mittelpunkt, sondern eine Beobachtung aus dem Alltag – übersetzt in eine Geschichte mit Tieren.
Ein starker Löwe, ein listiger Fuchs oder ein geduldiger Esel stehen stellvertretend für menschliche Eigenschaften. Kinder erkennen diese Rollen schnell und können sie auf eigene Erfahrungen übertragen, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen. Typisch für Tierfabeln sind eine überschaubare Handlung, klar erkennbare Figuren und ein gedanklicher Kern, der zum Weiterdenken anregt. Gerade diese Reduktion macht Tierfabeln im Unterricht so wertvoll.
Tierfabeln im pädagogischen Alltag
Tierfabeln lassen sich vielseitig einsetzen – als kurzer Einstieg in ein Thema, als Ruhephase zwischendurch, als Gesprächsanlass im Stuhlkreis oder zum freien Nacherzählen und Umschreiben.
Besonders hilfreich ist, dass die Geschichten offen bleiben. Sie liefern keine fertigen Antworten, sondern laden dazu ein, gemeinsam zu überlegen: Warum handelt die Figur so? Was hätte anders laufen können? Kennen wir solche Situationen?
Tierfabeln im Unterricht einsetzen
Tierfabeln eignen sich besonders gut für den Einsatz in der Grundschule. Sie sind sprachlich überschaubar, schnell erfasst und lassen sich flexibel in eine Unterrichtsstunde integrieren – unabhängig davon, ob sie gelesen, vorgelesen oder angehört werden.
Gerade weil Tierfabeln nicht moralisieren, sondern Situationen zeigen, ermöglichen sie Gespräche über richtiges und falsches Handeln, ohne Kinder bloßzustellen. Unterschiedliche Sichtweisen dürfen nebeneinanderstehen. Häufige Einsatzformen sind gemeinsames Vorlesen oder Anhören, stilles Lesen einzelner Abschnitte, Gespräche über Motive und Entscheidungen der Figuren sowie eine anschließende gestalterische Weiterarbeit. So lassen sich Tierfabeln gut auch in einer einzelnen Unterrichtsstunde umsetzen.
Tierfabeln von Äsop – der klassische Ursprung
Viele der bekanntesten Tierfabeln gehen auf Äsop zurück. Seine Geschichten sind über 2.500 Jahre alt und werden bis heute erzählt.
Äsops Tierfabeln zeichnen sich durch ihre Klarheit aus. Figuren wie Löwen, Füchse, Wölfe oder Vögel stehen für gut erkennbare Eigenschaften. Die Texte sind kurz und präzise und eignen sich besonders gut für Kinder, weil sie schnell verstanden und leicht erinnert werden. Bekannte Beispiele sind Der Hund und das Stück Fleisch, Der Fuchs und der Storch oder Die Schildkröte und der Hase. Diese Fabeln regen dazu an, über Fairness, Übermut, Geduld oder Zusammenhalt zu sprechen – ohne erhobenen Zeigefinger.

Kreativ weiterarbeiten mit Tierfabeln
Viele Kinder möchten Geschichten nicht nur hören, sondern selbst tätig werden. Tierfabeln bieten dafür einen idealen Ausgangspunkt, besonders wenn Tiere aus den Geschichten gestalterisch umgesetzt werden.
Tierfiguren können gezeichnet oder gemalt, geknetet oder aus Papier gestaltet, als Silhouetten ausgeschnitten oder im Rollenspiel und als Schattentheater eingesetzt werden. Durch diese Weiterarbeit wird aus dem Zuhören ein eigenes Tun – ruhig, konzentriert und offen für individuelle Ideen. Reduzierte Tierformen oder Tier-Silhouetten helfen dabei, sich auf Rollen und Eigenschaften zu konzentrieren, ohne sich in Details zu verlieren. Das ist besonders hilfreich für Kinder, die visuell oder handelnd arbeiten.

Tierfabeln erzählen und variieren
Tierfabeln laden dazu ein, Perspektiven zu wechseln. Was denkt der Fuchs? Warum handelt der Löwe so? Hätte es eine andere Lösung gegeben?
Solche Fragen lassen sich gut mit Rollenspiel, Standbildern oder einfachen Theaterformen aufgreifen. Masken oder vereinfachte Tierdarstellungen ermöglichen es Kindern, in Rollen zu schlüpfen, ohne sich selbst zu zeigen. Das erleichtert das Sprechen über Konflikte und Entscheidungen – besonders in heterogenen Lerngruppen.

Differenzierung und ruhige Arbeitsphasen
Tierfabeln lassen sich gut differenzieren. Während einige Kinder lesen, hören oder erzählen, können andere gestalterisch arbeiten.
Legematerialien mit Tierformen eignen sich für ruhige Phasen oder als ergänzende Aufgabe. Sie greifen das Thema der Fabel auf, ohne zusätzliche sprachliche Anforderungen zu stellen, und bieten sinnvolle Beschäftigung für unterschiedliche Lernstände.

Labbé & Tierfabeln – vom Zuhören zum Gestalten
Tierfabeln lassen sich gut mit gestalterischen Aufgaben verbinden. Tierfiguren können gezeichnet, ausgeschnitten, gelegt oder im Spiel eingesetzt werden – als ruhige Einzelarbeit oder im Klassenverband.
Materialien aus der Labbé-Welt unterstützen diese Arbeit, ohne den Unterricht zu dominieren. Sie sind als Werkzeuge gedacht, mit denen sich Geschichten weiterdenken und vertiefen lassen.
Tierfabeln entdecken und vergleichen
Auf Labbé findest du sowohl eine Übersicht mit verschiedenen Tierfabeln als auch eine eigene Sammlung der Tierfabeln von Äsop. Beide Bereiche ergänzen sich. Die allgemeine Übersicht zeigt die Vielfalt der Tierfabeln, während die Äsop-Sammlung klassische Texte mit klarer Struktur bündelt. So können Lehrkräfte gezielt auswählen – je nach Alter, Thema oder Unterrichtsziel.
Warum Tierfabeln zeitlos sind
Tierfabeln funktionieren generationenübergreifend. Sie brauchen keine Erklärung, keine Aktualisierung und keine technischen Hilfsmittel.
Eine gute Tierfabel lebt von Sprache, von Bildern im Kopf und vom Gespräch danach. Genau darin liegt ihre Stärke – damals wie heute.