Klassengemeinschaft stärken: 6 einfache Spiele für ein gutes Miteinander
Wir kennen diese Momente gut: Eigentlich wollte man nur schnell weitermachen – und plötzlich ist die ganze Gruppe laut, zwei Kinder diskutieren darüber, was unfair ist, und jemand ist schon völlig frustriert, weil etwas nicht klappt.
Dann hilft oft keine lange Erklärung.
Manchmal ist ein kleines Spiel viel besser.
Denn beim Spielen passiert vieles ganz nebenbei: Kinder warten aufeinander, hören zu, müssen sich absprechen, merken, wie sich eine Situation für andere anfühlt – und kommen oft leichter ins Gespräch, als wenn man direkt fragt: „Was bedeutet eigentlich Respekt?“
Genau darum geht es in unserer Reihe Gruppe + Spiel. Die Sammlungen greifen Situationen auf, die im Gruppen- und Klassenalltag immer wieder vorkommen: Unruhe, Zusammenarbeit, Fairness, Respekt, Frust und Mobbing. Bei den Kooperationsspielen zum Beispiel geht es ganz konkret um Zusammenhalt, gemeinsames Lösen von Aufgaben, Koordination und Rücksichtnahme.
Hier sind sechs Spiele daraus, die ihr direkt ausprobieren könnt.
Wenn es einfach nicht ruhig wird: Ab jetzt im Flüsterton!
Je lauter es wird, desto lauter selbst dagegenzureden, funktioniert erstaunlich selten.
Probiert stattdessen einmal das Gegenteil.
Beginnt selbst zu flüstern und flüstert einem Kind ins Ohr, dass ab jetzt nur noch geflüstert werden darf. Dieses Kind gibt die Botschaft leise an ein anderes Kind weiter, dann wandert sie weiter durch die Gruppe.
Nach und nach sprechen immer mehr Kinder nur noch im Flüsterton.
Das war’s schon.
Kein Material, keine Vorbereitung. Genau deshalb mögen wir die Idee.
→ 30 Spiele gegen Unruhe in der Gruppe
Wenn alle zusammenarbeiten sollen: Dreimal klatschen
Bei Zusammenarbeit denkt man schnell an große Gruppenaufgaben. Dabei kann eine winzige Übung schon zeigen, wie gut eine Gruppe aufeinander achtet.
Bei „Dreimal klatschen“ stehen alle im Kreis. Jedes Kind soll insgesamt dreimal klatschen.
Aber: Nie mehr als drei Kinder dürfen gleichzeitig klatschen. Und niemand darf zweimal direkt hintereinander dran sein. Wer seine drei Mal geschafft hat, setzt sich.
Klingt leicht.
Ist es nicht unbedingt.
Plötzlich müssen die Kinder schauen, warten, sich zurückhalten und ein Gefühl dafür bekommen, wann der richtige Moment ist.
Genau darum geht es auch in vielen anderen Spielen der Sammlung: Eine Aufgabe klappt nur, wenn die Kinder wirklich miteinander arbeiten.
→ 30 Spiele zur Förderung der Kooperationsfähigkeit
Wenn ständig jemand sagt: „Das ist unfair!“
Fairness ist so ein Thema, bei dem Kinder sofort eine Meinung haben.
Und oft stehen nach zwei Minuten plötzlich fünf verschiedene Meinungen im Raum.
Das kann man wunderbar nutzen.
Teilt den Raum in zwei Seiten: fair und unfair. Wer sich nicht entscheiden kann, bleibt in der Mitte.
Dann nennt ihr verschiedene Situationen.
Zum Beispiel: Jemand ruft die richtige Antwort rein, obwohl er nicht dran ist. Ein Kind teilt seine Kekse nur mit seinen Freunden. Beim Sport werden die schwächsten Spieler immer zuletzt gewählt.
Die Kinder stellen sich auf die Seite, die für sie passt.
Und dann schaut ihr: Wer steht wo?
Gerade wenn sich die Gruppe nicht einig ist, lohnt sich die Frage: Warum findest du das fair? Warum du nicht?
So kommt man ziemlich schnell weg von „Das ist halt unfair!“ und hin zu einem echten Gespräch darüber, was Fairness eigentlich bedeutet. Genau darum geht es auch in der Sammlung: unterscheiden, was fair oder unfair ist, sich in andere hineinversetzen, Rücksicht nehmen und mit Niederlagen umgehen.
Wenn der Ton untereinander rauer wird
„War doch nur Spaß.“
Diesen Satz kennt wahrscheinlich jeder, der mit Kindern arbeitet.
Nur fühlt sich ein Witz eben nicht für alle gleich an.
Bei „Das find ich gut, das find ich blöd“ bewegen sich die Kinder zunächst durch den Raum. Dann nennt ihr eine bestimmte Verhaltensweise.
Zum Beispiel:
- jemanden nachäffen,
- sich vordrängeln,
- jemandem die Tür aufhalten,
- jemanden bitten, leiser zu sein,
- jemanden beim Reden unterbrechen.
Die Kinder entscheiden, ob sie das Verhalten respektvoll oder respektlos finden, und zeigen ihre Antwort durch eine vorher vereinbarte Bewegung oder Position.
Spannend wird es wieder dort, wo sich nicht alle einig sind.
Dann kann man einfach fragen: Warum?
Und schon wird aus einer kleinen Bewegungsidee ein Gespräch darüber, wie unser Verhalten bei anderen ankommt.
Wenn der Frust groß wird: Hilfe, ich hab Frust!
Nicht gewinnen. Warten müssen. Etwas nicht schaffen. Einen Fehler machen.
Das gehört alles dazu. Trotzdem ist es für Kinder oft schwer, in dem Moment damit umzugehen.
Viel hilfreicher als ein schnelles „Ärger dich nicht“ ist deshalb manchmal die Frage:
Was hilft dir eigentlich, wenn du richtig frustriert bist?
Bei „Hilfe, ich hab Frust!“ sitzt die Gruppe im Kreis und sammelt Ideen.
Ein Kind beginnt zum Beispiel mit:
„Bis 20 zählen.“
Das nächste wiederholt den Vorschlag und ergänzt einen neuen.
„Bis 20 zählen und leise ein Lied summen.“
Dann geht es weiter.
Vielleicht kommt noch „in ein Kissen schreien“, „Liegestütze machen“, kurz rausgehen oder tief durchatmen dazu.
Am Ende habt ihr eine ganze Sammlung von Ideen – und könnt gemeinsam überlegen, was davon für wen wirklich hilfreich sein könnte.
Das gefällt uns daran besonders: Die Lösungen kommen nicht nur von den Erwachsenen. Die Kinder überlegen selbst.
→ 30 Spiele für mehr Frustrationstoleranz
Wenn verletzende Worte und Ausgrenzung zum Thema werden
Hier würden wir genauer hinschauen.
Ein Streit ist nicht automatisch Mobbing. Wenn ein Kind aber immer wieder gezielt ausgeschlossen, beleidigt oder verletzt wird, reicht ein Spiel allein nicht aus.
Die Sammlung selbst unterscheidet deshalb zwischen Prävention und Übungen für konkrete Mobbing-Situationen.
Für einen einfachen Einstieg in das Thema gefällt uns „Die Guten ins Töpfchen …“.
Schreibt verschiedene Sätze auf kleine Zettel. Einige sind freundlich, andere verletzend.
Zum Beispiel:
„Ich würde auch gerne so gut malen können wie du.“
Oder:
„Deine Schuhe sind voll peinlich.“
Die Kinder ziehen nacheinander einen Satz und überlegen gemeinsam: Ist das etwas, das man gerne hört? Oder etwas, das weh tun kann?
Die guten Sätze kommen in einen Topf. Die verletzenden in den Papierkorb.
Ganz einfach.
Aber gerade für jüngere Kinder kann die Frage „Wie würde sich das für mich anhören?“ schon ziemlich viel auslösen.
Und danach? Erst mal etwas Ruhiges.
Nach Bewegung, Diskussion und manchmal auch ziemlich großen Gefühlen tut es gut, wieder runterzukommen.
Deshalb gehört zu jeder Sammlung ein Inchy zum Ausmalen.
Das sind kleine Quadrate mit abstrakten Mustern. Kein bestimmtes Motiv, kein richtig oder falsch. Es geht nur um Linien, Farben und Konzentration. Die Idee ist, nach dem Spielen eine ruhige Phase einzubauen.
Stifte raus. Farbe aussuchen. Einfach malen.
Und danach passiert noch etwas Schönes: Die einzelnen Inchies werden ausgeschnitten und auf einem großen Bogen zusammengesetzt.
Viele unterschiedliche kleine Bilder werden zu einem gemeinsamen Kunstwerk.
Wir mögen diesen Abschluss sehr.
Weil er eigentlich ziemlich gut zeigt, worum es bei all diesen Spielen geht.
Jedes Kind macht seinen eigenen Teil.
Und am Ende gehört alles zusammen.
Alle Spiele und Materialien rund um soziales Lernen, Respekt und Zusammenarbeit findet ihr hier: Spiele zur Sozialkompetenz.